FutuRSI im Austausch mit Lehrenden der Helmholtz-Gemeinschaft zur RSE-Bildung in Deutschland
03.02.2026
Aus- und Weiterbildung im Bereich Research Software Engineering (RSE) ist eine wichtige Säule, um nachhaltige und qualitativ hochwertige Forschungssoftware zu fördern. FutuRSI hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, bereits existierende Angebote in Deutschland zusammenzutragen und Möglichkeiten zu eruieren, wie ein noch breiterer Personenkreis profitiert und die Angebote sinnvoll ergänzt werden können.
Im Rahmen der TEACH V Konferenz in Berlin (Talking about Education Across Communities in Helmholtz, 29.09. - 01.10.2025, Berlin) organisierte FutuRSI einen 30-minütigen Workshop um sich zu diesem Thema mit Lehrenden in der Helmholtz-Gemeinschaft auszutauschen.
Verschiedene bereits existierende Angebote wurden benannt, darunter Vorlesungen und Workshops, die an verschiedenen Universitäten oder im Rahmen von Fachgruppen-Netzwerken gehalten werden (z. B. FAIRytale of Software Development at deNBI, Intro to RSE at TU Dresden). Zumeist stehen dahinter engagierte Individuen und die Angebote sind nicht in ein festes Programm integriert, sondern z. B. im Wahlbereich zu finden. Helmholtz-intern bietet die Plattform HIFIS RSE-spezifische Workshops an. Auch hilfreiche Plattformen sowohl für Lernmaterialien als auch Forschungssoftware und weiterführende Materialien wie Dokumentationen oder Guides wurden genannt (https://oersi.org, https://nfdi.software, https://zenodo.org, https://readthedocs.com)
Dass der Bedarf nicht gedeckt ist, zeigen jedoch die vielfältigen Wünsche. Eine stärkere Verbindlichkeit der Angebote sowie standardisierte Curricula und Ausbildungsinhalte werden als nötig angesehen. Auch das Finden der bestehenden Bildungsangebote wird als schwierig wahrgenommen. Gewünscht wird hier eine Übersichtsseite oder zentrale Anlaufstelle für bestehende Angebote. Die Nachhaltigkeit der Angebote sollte durch entfristete Stellen für Ausbildende und Train-the-Trainer-Angebote verbessert werden. Auf der Wunschliste stehen außerdem ein zentrales und aktiv genutztes Portal für existierende Software, mehr Standardisierung der Metadaten im Bereich Forschungssoftware, sowie eine Kuratierung, um das Einhalten der FAIR-Prinzipen für Software zu verbessern und die Wiederverwendbarkeit zu steigern.
In einer zentralen RSE Institution für Deutschland sehen die Teilnehmenden entsprechend Chancen auch für den Bereich der RSE-Bildung. Sie erhoffen sich durch eine zentrale Einrichtung Qualitätssicherung von Lehrmaterialien und didaktischen Methoden, sowie eine Bündelung verteilter Ressourcen um eine gemeinsame Nutzung zu ermöglichen und unnötige Parallelentwicklungen zu vermeiden. Auch das Ergänzen bestehender Angebote um bisher weniger beachtete Themen wie Nutzer-zentriertes Design (z. B. Persona Creation und Design Thinking) wurde als Wunsch formuliert.
Dabei sehen die Teilnehmenden auch viele Chancen auf aktive Zusammenarbeit und Möglichkeiten, zu einer zentralen Einrichtung beizutragen: Als eLearning-Provider besteht Interesse, sowohl vorhandene Ressourcen zum Selbstlernen auch einem Publikum außerhalb Helmholtz zugänglich zu machen, als auch Inhalte aus einer breiteren Community zu hosten. Auch an einem Erfahrungsaustausch insbesondere zur Online-Lehre besteht Interesse und Teilnehmende sehen sich als Multiplikatoren, die Angebote einer zentralen Einrichtung in die eigene Arbeit integrieren und in die Breite tragen könnten. Von rein technischer Seite wird die Chance gesehen, Bibliotheken und weitere Forschungstools in einen zentralen Katalog einzubringen.
TEACH ist ein jährlich stattfindender Kongress, um in der großen Helmholtz-Gemeinschaft über Ausbildung innerhalb der Community zu sprechen. Die Ergebnisse dieses Workshops lassen sich nicht 1-zu-1 auf Deutschland verallgemeinern. Sie zeigen aber, dass die Themen Aus- und Weiterbildung in der Forschungssoftwareentwicklung hochaktuell sind. Das spiegelt sich auch in unseren anderen bereits erfolgten Bedarfsuntersuchungen für die Konzeptionierung einer deutschlandweiten Forschungsinstitution wider, welche in unserem Eckpunktepapier zusammengefasst sind. Der Bedarf an Trainings- und Qualifizierungsmöglichkeiten im Bereich RSE wird hier als grundsätzlich hoch eingeschätzt. Zwar gibt es lokale Initiativen für Schulungen innerhalb spezialisierter Communities. Nachteilig ist jedoch häufig die Instabilität durch Personalfluktuationen in projektbezogenen Forschungskontexten. Gut ausgebildetes Personal scheidet aus und Knowhow muss immer wieder von vorne aufgebaut werden. Der Zugang zu Trainingsressourcen sollte deshalb zentral koordiniert werden und an etablierte Weiterbildungsprogramme anknüpfen. Die Vielfalt der Angebote sollte dabei erhalten bleiben, um den unterschiedlichen Anforderungen an RSE gerecht werden zu können.
FutuRSI wird weitere Gespräche führen und evaluieren, wie die zahlreichen Bildungsangebote im Bereich RSE im Rahmen einer zentralen Einrichtung unterstützt, besser sichtbar gemacht und sinnvoll ergänzt werden können. Ein breiter Zugang für alle Interessierten und eine stärkere Nachhaltigkeit der Angebote sind ein klares Ziel.