Perspektiven der deutschen RSE-Community zu einer nationalen Forschungssoftware-Institution

30.06.2026

Erkenntnisse aus der internationalen RSE-Umfrage 2026

Während FutuRSI untersucht, ob und wie eine nationale Forschungssoftware-Institution das deutsche Forschungssoftware-Ökosystem stärken könnte, ist es unerlässlich, die Perspektiven der Community zu verstehen. Die vom britischen Software Sustainability Institute 2026 durchgeführte Umfrage “International RSE Survey” enthielt daher eine Reihe von Fragen, die sich speziell an Befragte in Deutschland richteten. Diese Fragen befassten sich mit einem Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt: Sollte in Deutschland eine nationale Forschungssoftware-Institution aufgebaut werden, und wenn ja, wie sollte diese aussehen?

Die Antworten zeigten eine breite Unterstützung für eine nationale Forschungssoftware-Institution. Noch wichtiger ist, dass sie ein klares Bild davon vermittelten, was eine solche Institution nach Ansicht der Befragten tun sollte und was nicht. Von den 218 Befragten in Deutschland, die diese Frage beantworteten, sprachen sich fast 85% für die Einrichtung einer nationalen Forschungssoftware-Institution aus. Rund 33% gaben an, dass ein dringender oder hoher Bedarf bestehe, während ein ähnlicher Anteil einen gewissen Bedarf sah. Weitere 19% nannten zwar keinen konkreten Bedarf, hielten eine solche Institution aber dennoch für sinnvoll. Nur eine kleine Minderheit lehnte die Idee ab, und weniger als 10% waren unentschlossen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Mitglieder der deutschen Forschungssoftware-Community den Wert einer nationalen Struktur erkennen, die die Koordination, Fürsprache und langfristige Unterstützung für die Community stärken könnte.

Die Unterstützung für eine solche Institution ist jedoch nur ein Teil des Ganzen. Ebenso wichtig ist, was der Meinung der Befragten nach eine solche Institution tatsächlich tun sollte. Die Befragten (n=223) sprachen sich am stärksten für Aktivitäten aus, die das gesamte Forschungssoftware-Ökosystem stärken. Das Engagement in der Community und Schulungen, Fürsprache gegenüber Entscheidungsträger:innen, Beratung zur Entwicklung von Forschungssoftware sowie die Entwicklung von Standards und Best Practices fanden jeweils die Unterstützung von rund 70% der Befragten (Abbildung 1). Auf die konkrete Frage, wie eine nationale Institution das Engagement in der Community und den Wissenstransfer befördern sollte, sprachen sich die Befragten nachdrücklich für Konferenzen, Workshops, aber auch für Fortbildungsangebote und gemeinsam genutzte Schulungsressourcen aus.

Feedback Poster
_Abbildung 1: Die dargestellten Antworten wurden auf die Frage „Welche Aufgaben sollte eine nationale Forschungssoftware-Institution deiner Meinung nach vorrangig übernehmen?“ gegeben. Die Befragten konnten mehrere Antworten auswählen; die Ergebnisse zeigen den prozentualen Anteil der Befragten, die die jeweilige Option ausgewählt haben._

Im Gegensatz dazu gehörte die direkte Entwicklung von Forschungssoftware zu den am wenigsten bevorzugten Optionen (Abbildung 1). Die Freitextfelder helfen dabei, die Gründe dafür zu erklären. Anstatt als Entwicklungszentrum für Forschungssoftware zu fungieren, stellten sich die Befragten im Allgemeinen eine unterstützende Organisation vor, die RSEs fördert, bestehende Bemühungen stärkt und das bereits im gesamten Ökosystem verteilte Fachwissen vernetzt. In den Freitextfeldern tauchten mehrere Themen immer wieder auf. Nachhaltigkeit war ein zentrales Anliegen, wobei die Befragten die Herausforderung der Wartung von Forschungssoftware nach Auslaufen der Projektfinanzierung hervorhoben und die Bedeutung der langfristigen Unterstützung breit genutzter Open-Source-Forschungssoftware betonten. Die Befragten wiesen zudem auf die Notwendigkeit eindeutiger Karrierewege für Forschungssoftware-Entwickler:innen hin, einschließlich einer stärkeren Anerkennung ihrer Beiträge zu Entwicklung bestimmter Forschungssoftware und stabilerer Beschäftigungsmöglichkeiten. Schließlich betonten viele die Bedeutung von Koordination, Weiterbildung und Wissensaustausch. Anstatt neue zentralisierte Strukturen zu schaffen, sahen die Befragten den Wert in einer Institution, die bestehende Initiativen miteinander vernetzt, den Austausch von Fachwissen fördert, die berufliche Weiterentwicklung unterstützt und die Zusammenarbeit über Institutionen und Disziplinen hinweg stärkt.

Insgesamt deuten die Antworten auf eine recht einheitliche Sichtweise hinsichtlich der Rolle hin, die eine nationale Forschungssoftware-Institution innerhalb des deutschen Forschungssoftware-Ökosystems spielen könnte. Während die Befragten die Idee einer nationalen Forschungssoftware-Institution mit überwältigender Mehrheit unterstützen, lässt die Umfrage erkennen, dass viele die Entwicklung von Forschungssoftware oder die Bereitstellung direkter Forschungssoftware-Dienstleistungen nicht als deren primäre Aufgabe ansehen. Stattdessen betonten die Befragten Funktionen, die das gesamte Ökosystem unterstützen und stärken, darunter das Engagement in der Community, Schulungen, berufliche Weiterentwicklung, Koordination, Fürsprache und die langfristige Nachhaltigkeit von Forschungssoftware.

Während die Diskussionen um eine mögliche deutsche Forschungssoftware-Institution weitergehen, liefern diese Ergebnisse einen wertvollen Einblick in die Erwartungen der Community an eine solche Institution. In weiteren Beiträgen werden wir darlegen was die internationale RSE-Umfrage 2026 über die Erfahrungen, Herausforderungen und Prioritäten der heute in Deutschland tätigen RSEs offenbart.

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