Fürsprache ist entscheidend – Erkenntnisse und Einblicke von der deRSE26
27.03.2026

In welche Richtung sollte sich eine nationale Forschungssoftware-Institution in Deutschland entwickeln? Diese Frage hat uns auf der deRSE26 die ganze Zeit begleitet. Im Austausch mit der Community wurde schnell deutlich, dass es nicht nur viele Ideen gibt, sondern auch recht klare Vorstellungen davon, was aktuell besonders gebraucht wird, um Forschungssoftware in Deutschland nachhaltig zu stärken.
Make a point! – Feedback aus der Community
Um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, welche Erwartungen und Bedarfe es gibt, haben wir an unserem Stand ein interaktives Feedbackformat angeboten. Besucher*innen konnten auf einem Poster mit Klebepunkten ihre Prioritäten in verschiedenen Themenfeldern markieren und zusätzlich eigene Gedanken und Ideen ergänzen.
Dabei zeichnete sich ein recht klares Bild ab:
Ein zentraler Punkt ist die Anerkennung von Forschungssoftware als wissenschaftliche Leistung. Viele Beiträge drehten sich darum, wie Software sichtbarer und als legitimes Ergebnis von Forschung etabliert werden kann – sei es durch neue Publikationsformate, angepasste Bewertungskriterien oder mehr Sichtbarkeit für erfolgreiche Projekte und bewährte Praktiken.
Eng damit verbunden ist die Frage nach Karrierewegen im RSE-Bereich. Der Wunsch nach klareren Rollen, besseren Perspektiven und langfristigen Beschäftigungsmöglichkeiten wurde häufig geäußert. Auch die Notwendigkeit, das Berufsbild stärker zu definieren und institutionell zu verankern, wurde mehrfach betont.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Kompetenzentwicklung. Hier geht es vor allem um zugängliche und strukturierte Weiterbildungsangebote – von Trainings und Workshops bis hin zu Zertifizierungen. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass Kompetenzen im RSE-Kontext breiter gedacht werden sollten und über reine Programmierfähigkeiten hinausgehen.
Auch die Vernetzung innerhalb der Community spielte eine große Rolle. Der Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit zwischen Institutionen und über nationale Grenzen hinweg war deutlich spürbar. Gleichzeitig wurden offene Fragen sichtbar, etwa zur Rolle von Industrie und Privatsektor im Forschungssoftware-Ökosystem.
Nicht zuletzt wurde die Nachhaltigkeit von Forschungssoftware immer wieder angesprochen. Viele sehen hier einen Bedarf an langfristigen Strukturen, die Wartung und Weiterentwicklung über einzelne Projekte hinaus ermöglichen – auch wenn gleichzeitig Zweifel an der praktischen Umsetzung solcher Modelle geäußert wurden.
Vertiefung im World Café
Diese Themen wurden in einem World Café weiter diskutiert und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dabei kristallisierten sich einige zentrale Punkte besonders heraus:
Support sichtbar und zugänglich machen
Bedarf besteht an konkreten Unterstützungsangeboten – von Trainings und Best Practices bis hin zu klaren Rollenprofilen und Orientierung für RSEs.Eine Institution, die zentral wirkt – aber dezentral denkt
Gewünscht ist eine Organisation mit klarer Sichtbarkeit und Struktur, die gleichzeitig regional verankert ist und nah an der Community bleibt.Fürsprache als Schlüsselaufgabe
Die Interessen von RSEs müssen aktiver vertreten werden – gegenüber Politik, Förderinstitutionen und Wissenschaftssystem. Sichtbarkeit ist hier entscheidend.Bestehendes stärken statt neu erfinden
Statt parallele Strukturen aufzubauen, sollte eine Institution vorhandene Netzwerke bündeln, verbinden und weiterentwickeln.Community als Fundament
Austausch, Vernetzung und gemeinsame Räume wurden als essenziell hervorgehoben – über den gesamten Lebenszyklus von Forschungssoftware hinweg.
Fazit
Die Diskussionen auf der deRSE26 zeigen vor allem eines: Der Bedarf ist da – und obwohl die Erwartungen vielfältig sind, sind sie in vielerlei Hinsicht doch recht einheitlich.
Im Kern geht es um Sichtbarkeit, Anerkennung und nachhaltige Strukturen. Oder anders gesagt: Ohne starke Fürsprache für das Thema wird es schwierig, die anderen Themen langfristig voranzubringen.