Eine nationale Forschungssoftware-Institution kann nahtlos in das deutsche Forschungsökosystem integriert werden
20.11.2025
Willkommen zum fünften Beitrag unserer sechsteiligen Serie, die sich mit der Zukunft der Forschungssoftware in Deutschland auseinandersetzt. In jeder Folge präsentieren wir Stellungnahmen dazu, warum eine bundesweite Forschungssoftware-Institution geschaffen werden könnte und sollte, um das Forschungsökosystem in Deutschland zu stärken.
Um effektiv zu sein, muss eine nationale Forschungssoftware-Institution über das gesamte Forschungsökosystem hinweg integriert sein, sowohl horizontal zwischen verschiedenen Organisationen und Disziplinen als auch vertikal von lokalen Strukturen bis hin zu internationalen Partnerschaften. Dieses Maß an Integration ist sowohl notwendig als auch erreichbar.
Für die strategische Positionierung einer solchen Institution ist es entscheidend, aufzuzeigen, wo in Deutschland bereits Aktivitäten stattfinden. Derzeit ist das System nicht ausreichend ausgestattet, um Softwaremethoden effektiv und in der gewünschten Breite in die Forschung zu integrieren. Während einige Akteure in Deutschland bereits über maßgeschneiderte Forschungssoftware-Richtlinien, -Strukturen und -Kontaktpunkte verfügen und somit relativ gut aufgestellt sind – die Helmholtz-Gemeinschaft ist dabei ein besonders positives Beispiel –, benötigen andere eine stärkere Verknüpfung zu bestehenden Initiativen und Strukturen. Diese vorhandenen Stärken können als Ausgangspunkt für die Netzwerkbildung dienen und zeigen, dass die grundlegenden Elemente für eine nationale Forschungssoftware-Institution bereits vorhanden sind.
Ein Community-orientierter Ansatz ist für die erfolgreiche Umsetzung dieser Integration von entscheidender Bedeutung. Wissenschaftliche Institutionen und Gesellschaften aller Disziplinen sollten eine aktive Rolle beim Aufbau und der Unterstützung einer Forschungssoftware-Institution spielen. Die Interdisziplinarität bietet besonders vielversprechende Möglichkeiten: In einem Bereich entwickelte Lösungen können in anderen Bereichen angewendet werden, was Innovationen beschleunigt und redundante Problemlösungsbemühungen reduziert.
Es muss zudem anerkannt werden, dass die Finanzierung einer Forschungssoftware-Institution eine strategische Priorisierung innerhalb begrenzter Forschungsbudgets erfordert. Eine nationale Institution sollte daher aktiv ihr Engagement für die Bewältigung bestehender Herausforderungen und Bedarfe unter Beweis stellen. Die Identifizierung von Hotspots und bestehenden Initiativen trägt dazu bei, den Fokus auf strategische Festigung und gezielte Unterstützung statt auf verstreute Ad-hoc-Investitionen zu legen. Daher ist es entscheidend, die Bedeutung kontinuierlicher Fürsprache und partizipativer Gestaltungsprozesse zur Steigerung der Akzeptanz innerhalb der wissenschaftlichen Community anzuerkennen.
Durch die Einbindung der Community, kontinuierliche Fürsprache und die strategische Anbindung an bestehende Strukturen kann eine nationale Forschungssoftware-Institution breite Akzeptanz und eine wirksame Integration erreichen. Sie kann dann sowohl als Erweiterung als auch als Festigungspunkt für das deutsche Forschungsökosystem dienen.
Hier finden sich alle sechs Beiträge in einem Dokument: https://doi.org/10.5281/zenodo.17672125